Extremsportler- Was können wir von ihnen lernen?

Durften Sie selbst schon mal spüren, wie es sich anfühlt, das Unmögliche geschafft zu haben? Bis zur persönlichen Grenze und darüber hinauszugehen. Ein großartiges Gefühl nicht wahr? Als könne man Bäume ausreißen. Genau darum geht es im Extremsport. Athleten trainieren meist Monate, ja sogar jahrelang, um sich auf eine Herausforderung, wie einen Ultramarathon, den Ironman oder das Race Across America vorzubereiten. Extremsportler Joachim Franz schreibt dazu in seinem Buch “Mit aller Kraft“:

„An die eigenen Grenzen heran- und manchmal über sie hinausgehen, das ist Extremsport. Es sind diese Kicks, die sich stärker in unser Bewusstsein einbrennen als Platzierungen, Preise und Presseresonanz. Nichts konfrontiert dich härter mit deinen Schwächen und Stärken als diese Grenzsituation.“

Weiter beschreibt der Extremsportler, dass es genau diese Erfahrungen sind, die eigenen Grenzen zu erreichen und sie zu überwinden, die uns wachsen lassen und uns Vertrauen in die eigene Kraft und Entschlossenheit schenkt. Extremsportler sind disziplinierte Athleten mit einem klaren Mindset, von dem wir in vielerlei Hinsicht lernen können. Auch Unternehmen setzen auf Extremsportler, wenn es um die Mitarbeitermotivation geht. Als Redner oder Coaches geben die Sportler ihre Erfahrungen und mentalen Strategien an Mitarbeiter großer Unternehmen weiter, um Impulse für mehr Motivation und Leistungsbereitschaft zu geben. Unabhängig von der körperlichen Leistungsfähigkeit verfügen Extremsportler vor allem über mentale Stärke, die sie jene außergewöhnlichen Leistungen vollbringen lassen. Von den teils extremen Erfahrungen dieser Athleten können auch wir profitieren, wenn wir uns etwas von ihren mentalen Strategien abgucken und die neu gewonnenen Erkenntnisse in unser eigenes Leben übertragen.

Extremsportler verfügen vor allem über mentale Stärke

Wir selbst kennen unseren Körper am besten und können einschätzen welche Herausforderungen wir meistern können und welche nicht. An sich selbst zu glauben, heißt nicht, ohne Rücksicht auf Verluste drauflos zu legen. Natürlich gibt es Dinge, die außerhalb des Möglichen liegen. Erstmal. So ist es vermutlich unmöglich, als Sporteinsteiger einen Ironman zu meistern ohne dabei an Wunder zu glauben. Was nicht bedeutet, dass es das auch bleiben muss. Willenskraft und Disziplin werden auch hier langfristig zum Erfolg führen.

Wachstum entsteht außerhalb unserer Komfortzone

Erst, wenn wir etwas Neues wagen, dann lernen und wachsen wir. Der Wunsch nach Sicherheit ist tief in uns verwurzelt. Kennen Sie das auch, das Kribbeln im Bauch, wenn Sie einer neuen Herausforderung gegenüber stehen? Ein schönes Gefühl, oder? Es steht für Wachstum und Veränderung.
Außerhalb unserer Komfortzone erwartet uns Unsicherheit. Klingt erstmal nicht besonders erstrebenswert. Wem könnte man es da also verübeln, seine Bequemlichkeit nicht gegen das Unbekannte eintauschen zu wollen. Unsere Gesellschaft liebt es eben bequem und sicher. Grundsätzlich gibt es daran nichts zu bemängeln, aber es bringt uns nicht voran, sondern sorgt für Stillstand in unserer Entwicklung. Nun muss nicht jeder gleich sein Leben umkrempeln und sofort mit dem Training für den nächsten Marathon beginnen. Zu Beginn reicht es schon offen für Neues zu sein und ab und zu den Pfad der Bequemlichkeit zu verlassen. Mein Tipp: Wenn es kribbelt, kann es nur richtig sein.

Es liegt bei Ihnen

Wünsche und Träume hat jeder von uns. Doch es gibt jene Menschen, die kontinuierlich und diszipliniert an ihren Träumen arbeiten. Sie arbeiten hart, um ihre Träume zu verwirklichen. Was unterscheidet diese “Macher“ nun von denen, die noch zu Hause auf dem gemütlichen Sofa träumen. Ein Unterschied ist die Herangehensweise. Ein Traum ist etwas Tolles, aber letztlich bleibt es ein Traum, wenn wir nicht bereit sind, etwas dafür zu tun. Wollen wir ihn also verwirklichen, brauchen wir einen Plan. Mit einem Plan werden Traum und Ziel realisierbar und eine klare Definition des Ziels gibt uns die nötige Orientierung.
Wie Extremsportler Norman Bücher treffend in seinem Buch “Extrem – Die Macht des Willens“ formuliert, ist die Hauptursache für Erfolg, egal ob im Sport, im Privatleben oder im Beruf, die beharrliche Verfolgung eines klar definierten Ziels. Eine konkrete Zieldefinition ist demzufolge ausschlaggebend für unseren Erfolg. Fixieren Sie Ihr Ziel also klar und unmissverständlich. Verwenden Sie hierfür am besten Zahlen: „In sechs Monaten laufe ich acht Kilometer in 50 Minuten.“

Sie kennen den Spruch der Weg ist das Ziel?

Genauso ist es. Sie entwickeln sich nicht mit dem Durchqueren der Ziellinie Ihres ersten Marathonlaufs weiter. Es ist die Reise, die Sie dorthin geführt hat. Es sind die Herausforderungen, die Sie auf Ihrem Weg meistern mussten. Und es sind Ihre persönlichen Grenzen, die Sie auf Ihrem Weg erreicht und überwunden haben, physischer und psychischer Natur.
Ein großes Ziel kann erst einmal unerreichbar erscheinen. Wenn Sie das Ziel jedoch in Meilensteine unterteilen, werden aus einem unerreichbaren Ziel viele kleine erreichbare Ziele. Eine bewährte Methode, die sich sowohl im Sport als auch im Privat- und Berufsleben anwenden lässt. Sie haben Ihr Ziel bereits definiert? Dann nehmen Sie sich genug Zeit, um es erreichen zu können. Nichts passiert von heute auf morgen. Ungeduld und Selbstüberschätzung sind echte Motivations-Killer.

Ich kann, ich will und ich werde – Die Kraft des Willens

Neue Projekte, sportliche Ziele, alles ist machbar mit der richtigen Einstellung. Über die Kraft der Gedanken gibt es zahlreiche Bücher, die sich ausschließlich diesem Thema widmen. Ob wir an uns selbst glauben oder uns klein machen, hat eine enorme Macht auf das, was wir tun. Der Mensch hat am Tag zwischen 50.000 und 70.000 Gedanken. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigen und positiven Gedanken und eliminieren sie alles, was Sie von der Erreichung Ihrer Ziele abhält. Kurz zu zweifeln ist in Ordnung, wenn es dann mit Vollgas weiter in Richtung Ziel geht.

Die eigene Willenskraft ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten und glücklichen Leben. Kompromisse sind bequem, aber bringen uns nur selten voran. Das Wetter, das uns aufgrund von Regen, Hitze, Wind oder Kälte unsere sportlichen Ambitionen auf den nächsten Tag verschieben lässt. Oder der Job, dem wir schon jahrelang nachgehen, weil er uns ein sicheres Einkommen bietet, uns aber eigentlich langweilt und nicht genug fordert. Vielen Menschen reicht das, weil es, wie schon gesagt, bequem und sicher ist. Es gibt jedoch auch jene unter uns, die schon immer diese innere Kraft in sich gespürt haben. Ein tiefer innerer Wunsch nach etwas Großem. An seinen Träumen zu arbeiten oder seiner Leidenschaft nachgehen zu können ist ein tolles Gefühl, das unser Leben bereichert und langfristig zu Zufriedenheit und mehr Freude am Leben führt.

Einer jener glücklichen Menschen ist Dr. Michèl Gleich, der seinen damaligen Job aufgab, um sich ganz seiner Leidenschaft dem Sport zu widmen. Heute ist er erfolgreicher Personal Trainer, Extremsportler und hat all sein Wissen und seine Erfahrungen in seinem Buch “Gestern hast Du morgen gesagt“ gebündelt.
Für seine Teilnahme an der Natural Bodybuilding Landes- und Weltmeisterschaft 2014 erreichte er durch hartes Training und Disziplin einen Wert von unter 3,4 Prozent Körperfettanteil. Eine beachtliche Leistung, für die er bei der Deutschen Meisterschaft mit dem dritten Platz und bei der Weltmeisterschaft mit einem großartigen sechsten Platz belohnt wurde. Was ist es also, das Menschen und insbesondere Sportler zu solchen Leistungen motiviert? Dr. Michèl Gleich sagte dazu in einem Interview über sein Leben und seine bisherigen sportlichen Erfolge:

„Ich liebe es meine eigenen Grenzen jedes Mal ein bisschen weiter hinauszuschieben. Sei es beim 24-Stunden-Lauf, beim Bergsteigen, beim Kraftsport oder auch beim Schreiben meines Buchs. Für mich bedeutet Sport zuallererst Spaß. Denn ohne Spaß kann ich keine Top-Leistung abliefern. Das bedeutet wiederum, dass ich zunächst die richtige Einstellung zu mir und meinen ganz individuellen Zielen haben sollte. Was kann ich leisten? Was bin ich bereit dafür zu tun? (…) Der sportliche Erfolg beginnt im Kopf! Ich habe diese unbändigen Willen, immer mein Bestes zu geben. (…) Als ich die Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen habe, war das ein unglaubliches Gefühl. Aber es ist „nur“ das Ergebnis. Viel wichtiger ist der Prozess dorthin. Das jahrelange Training. Der Schweiß. Der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis. Mit dieser Einstellung kannst Du niemals verlieren sondern nur gewinnen. Jede Erfahrung, die ich im Leben gemacht habe – gute und weniger gute – alle haben einen Grund. Sie machen Dich besser, mutiger, stärker. Das ist das Leben. Abwechslungsreich, individuell und wunderschön!“

Das ganze Interview mit Dr. Michèl Gleich finden Sie hier

Eine schöne Antwort, die es genau auf den Punkt bringt. Was zählt, ist die richtige Einstellung, eine klare Zieldefinition und der Wille, etwas erreichen zu wollen.
Dr. Michèl Gleich ist ein Mensch, der seinen Weg gefunden hat. Wie er in seiner Antwort schon sagte: Das Leben ist abwechslungsreich, individuell und wunderschön. Das sehen Sie anders? Dann ist es vielleicht an der Zeit für Veränderung. Gehen Sie doch mal auf Erforschungstour nach Ihren persönlichen Grenzen. Egal ob Sport, Beruf oder Privatleben, das Motto lautet: “Träumen Sie groß“. Und vergessen Sie nicht: Der Weg ist das Ziel!

Literatur:
Iris Hadbawnik; Bis ans Limit uns darüber hinaus – Faszination Extremsport; Verlag die Werkstatt GmbH, 2011
Norman Bücher; Extrem – Die Macht des Willens; Goldegg Verlag; 2011
Joachim Franz; Mit aller Kraft: Extremsport und Abenteuer für eine humane Welt; Rowohlt; 2005
Bildquellen: Kletterer – www.fotolia.com; ©lenina11only

 

 

Sarah Semmler

Über den Autor

Sarah Semmler

Sarah ist u.a. A-lizensierte Functional-Fitnesstrainerin, Pilates Trainerin und Resilienz Trainerin. Bereits in der Kindheit hat sie ihre Leidenschaft für den Sport entdeckt und war aktives Mitglied im Leichtathletik Verein. Auch Reiten, Schwimmen und Tanzen gehörten schon damals zu ihren Hobbies.


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