Sport machen. Nicht müssen. – Kolumne von Dr. Michèl Gleich

Sport. Was ist das eigentlich? Was kann er? Jeder von uns hat es schon einmal gehört und dutzende Male gemacht. In der Schule. In der Freizeit. Oder gar im Fernsehen verfolgt. Warum ist Sport so beliebt und von manchen wiederum auch gefürchtet? Sport als Trend oder doch viel mehr?

Schauen wir uns das doch einmal genauer an. Zunächst rein theoretisch. Ganz nüchtern. Der Duden sagt zum Sport „(…) eine nach bestimmten Regeln im Wettkampf (…) zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung.“ Nun ja, das stimmt zweifelsfrei. Oft habe ich aber das Gefühl, dass vor allem die Betonung auf Wettkampf und Regeln liegt. Viele Menschen sind der Meinung Sport treiben zu müssen. Kennen Sie das? Gerade gestern habe ich wieder eine dieser Schlagzeilen gelesen: „10 Gründe, warum Sie Sport treiben sollten!“. Mit Ausrufezeichen. Sport machen müssen. Weil er gesund halten soll. Weil er eine gute Abwechslung zu allen privaten und beruflichen Herausforderungen sein soll. Weil es im Trend liegt. Weil. Weil. Weil. Ich finde, Sport hat zuallererst etwas mit der jeweiligen Person zu tun, die ihn betreibt. Und Spaß! Sport bedeutet für mich wertvolle Zeit, die ich nutze um die Muskeln meines Körpers auf der einen Seite aber auch meinen Geist und meine Gedanken auf der anderen Seite zu fordern und fördern. Nicht nur die körperliche Kraft sondern vor allem die mentale Stärke ist Trumpf.

Als ich in einem großen Weltkonzern für die Ausbildung von Führungskräften und Managern verantwortlich war, bin ich jeden Tag mehr als 200 Kilometer mit Zug zur Arbeit gefahren. Die einfache Strecke. 5 Mal in der Woche. Jeden Tag habe ich das Haus um 6 Uhr verlassen und meist nicht vor 8 Uhr abends die Tür zu meiner Wohnung wieder aufgeschlossen. Ja, das waren sehr lange Tage. Aber dennoch habe ich mir jeden Abend Zeit für mich und den Sport genommen. Laufen, Krafttraining oder auch Yoga. Klar, ich war müde und erschöpft am Ende eines langen Arbeitstages. Aber der Sport und die bewusste Beschäftigung mit mir und meinem Körper hat mir trotz der körperlichen Ertüchtigung Kraft und Energie für den nächsten Tag gegeben. Jede einzelne Trainingseinheit habe ich mit voller Konzentration absolviert, war aber stets gleichzeitig voll und ganz entspannt. Stark. Ich habe diese Zeit genutzt, meine Gedanken zu sortieren und mir Mut für weitere, zukünftige Herausforderungen zu holen. Umsonst! Neben all den positiven Auswirkungen des Sports für unseren Körper wie ein verringertes Übergewichtsrisiko, geringes Herzkrankheitsrisiko oder Muskel- und Knochengesundheit kann Sport aber noch viel mehr!

Durch regelmäßige Bewegung wird vor allem auch die geistige Gesundheit verbessert. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass körperliche Aktivität das psychologische Wohlbefinden – also die Art wie mit Stress und äußeren Einflüssen umgegangen wird – sowie die Arbeitsweise des Gehirns verbessert. Macht Sport also auch schlauer? Nun ja, im Sinne eines messbaren Intelligenzquotienten sicherlich nicht, aber für uns so richtungsweisende Aktionen wie das Treffen oder Planen von Entscheidungen sowie die Funktion des Kurzzeitgedächtnis werden optimiert. Zudem können Angstgefühle verringert und gesunde Schlafmuster gefördert werden. Älteren Menschen hilft der Sport bei der Linderung altersbedingter Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer. Plus die nahezu unbezahlbare Komponente, das soziale Umfeld der betroffenen Personen zu stärken.

Bleibt die Frage: Wie viel Sport ist dann notwendig? Falsche Ausgangsfrage liebe Leserinnen und Leser! Die korrekte Frage lautet eher: Wie viel Zeit für den Sport sind Sie bereit zu investieren? Für Sie selbst. Oder: Wie viel ist Ihnen und Ihre Gesundheit wert? Mit 30 Minuten Sport am Tag erhalten Sie bereits all die oben angeführten positiven Auswirkungen. Nahezu umsonst. Eine halbe Stunde täglich. Das sind gerade einmal 2% des täglichen Zeitbedarfs. Ich bin mir sicher, dass Sie diese Zeit finden, um dann für die anderen 98% gewappnet zu sein, oder? Und dabei ist es erst einmal völlig zweitrangig, welche Sportart Sie wählen. Ob Reiten, Schwimmen, Fußball oder auch Klettern, Radfahren und Golf. Ob Wettkampf oder eben auch nicht. Diese Zeit gehört ganz Ihnen und Ihrer Gesundheit!

Suchen Sie sich eines der vielfältigen Sport- und Trainingsangebote dieser wunderbaren Webseite von fittopia aus. Probieren Sie. Testen Sie. Lernen Sie. Über den Sport. Und vor allem über Sie. Ich wünsche mir, dass Sie sich bewusst die Zeit für sich selbst nehmen und dann Sport machen, weil Sie es gerne machen. Nicht weil Sie müssen. Ganz ohne Zeitdruck. Ohne Hast. Aber mit viel Leidenschaft und vor allem Spaß. Genau all das ist und kann Sport. Der Duden definiert Sport übrigens auch als „(…) Liebhaberei, Betätigung zum Vergnügen, zum Zeitvertreib, Hobby“  bezeichnet. Ich finde, das passt viel besser.

Bildquelle: fotolia.com ©WavebreakMediaMicro
Personal Trainer Dr. Michel Gleich

Über den Autor

Dr. Michèl Gleich

Dr. Michèl Gleich ist promovierter Pädagoge, Personal Trainer und international erfolgreicher Top-Athlet. Er gilt als Fachexperte für Fitness und Gesundheit und schreibt u.a. für die Men's Health, das Trainer Magazin und die Tageszeitung Die Welt. In seinen spannenden Kolumnen erzählt er von seinen Erfahrungen und gibt Tipps für Training, Ernährung und Motivation.


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